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Aphasie - wenn Sprache zerbricht
Sprache Stimme Gehör


'Dies ist ein wichtiges Buch. Es ist das erste, das die Belastungen von nahen Angehörigen durch die Aphasie des Partners in allgemeinverständlicher Form und für ein breites Publikum darstellt. Die Themen des Buches sind in der wissenschaftlichen Literatur seit den 80er Jahren bekannt: Veränderung des Rollengefüges in der Familie, soziale Isolation, Ängste und psychosoziale Belastungen des gesunden Partners. In 5 Falldarstellungen wird die weitere Entwicklung von Menschen mit initial schwerer (globaler) Aphasie, die nach Rehabilitation noch schwer behindert in ihre Familie bzw. Partnerschaft zurückkehrten, und die Entwicklung ihrer nahen Angehörigen im Verlauf von Jahren dargestellt. Die Verläufe sind naturgemäß verschieden, von weitgehender Wiederherstellung der kommunikativen und Alltagsfunktionen bis hin zu bleibender Schwerstbehinderung. Alle Angehörigen schildern eigene schwere Belastung, Entfremdung in der Partnerschaft, Abwendung von Freunden und Bekannten, Alleingelassenwerden, fehlende therapeutische Unterstützung und fehlendes Kümmern durch Ärzte und Therapeuten. Diese Erkrankungsfolgen sind wissenschaftlich bekannt, Pullwitt gibt ihnen jedoch ein Gesicht. Schilderungen der Angehörigen über den Umgang mit ihnen und über die ihnen im Akutkrankenhaus und vielfach auch in der Rehabilitation übermittelten Informationen machen betroffen, gerade auch vor dem Hintergrund der z.T. positiven Langzeitverläufe.

Das Buch kann betroffenen Angehörigen (z.B. nach Dekompressionsoperation) einerseits Mut machen und sie andererseits auch auf anstehende gravierende Veränderungen vorbereiten. Es sollte aber auch von Ärzten in der Schlaganfallversorgung und Rehabilitation sowie von Therapeuten und Hauärzten gelesen werden. Pullwitt fordert eine gesellschaftliche Wahrnehmung der Belastungen und Nöte der Angehörigen von Menschen mit schwerer Aphasie ein. Leider verschließen sich die Medien einer breiten Aufklärung, dafür sind schwere chronische Aphasien dann doch (glücklicherweise) nicht allgegenwärtig genug. Jedem, der konfrontiert ist, der mit einer Familie mit einem schwer aphasischen Angehörigen professionell oder ehrenamtlich zu tun hat, kann das Buch nachdrücklich empfohlen werden.

Das Buch wird ergänzt durch Beiträge von Andreas Winneken zum Störungsbild Aphasie, zur Beziehung zwischen Sprache und Denken und zu (oft fehlenden) Hilfsangeboten.'

Erschienen im Januar 2013 in der Online-Bücherecke von "Sprache Stimme Gehör", Rezensent: Prof. Dr. med. Claus Werner Wallesch, Elzach



Vom: 22.01.2013

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