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Aphasie – wenn Sprache zerbricht
sprechen


'Wer sich je auf eine Sprecherzieher-Prüfung vorbereitet hat, weiß vermutlich einiges über Aphasien und kann sich vorstellen, dass damit für die Betroffenen und ihre Angehörigen fundamentale Veränderungen einhergehen. Aphasien verändern den persönlichen Status, die Planungen, die Wertesysteme und Prioritäten. Die gelernte Grundschullehrerin Erika Pullwitt musste die Aphasie ihres Ehemanns 1989 miterleben; Dr. Andreas Winnecken ist als Aphasiologe und Neurolinguist seit über 25 Jahren in der Neurologischen Rehabilitation tätig. Die beiden wollen vor allem demonstrieren, wie eine Aphasie das Leben der betroffenen Familien verändert und welche Probleme auftreten können.

Dazu enthält das Buch zunächst eine „Kleine Schule der Aphasiologie für mitbetroffene Angehörige von Menschen mit Aphasie“ (u. a. mit Fotos der Aphasieforscher Armand Trousseau, Pierre Paul Broca, Carl Wernicke, John Hughlings Jackson und Ferdinand Carl Finkelnburg). Anschließend werden mehrere Menschen vorgestellt, wie sie ein von Aphasie bestimmtes Leben führen. Ein kleiner Exkurs nennt einige Gedanken und Fragen zum Zusammenhang von Sprache und Denken, mit dem Resümee: „Der Mensch mit Aphasie ist aber nicht dumm, im Sinne von einfältig. Er kann denken. Durch herabgesetzte kortikale Energie ist er nur nicht in der Lage, Sprache und Denken in gewohnter Form zu steuern.“ (S. 97). Die ungewöhnliche Überschrift „Das Syndrom der Mit-Aphasie“ eröffnet das 3. Kapitel. Diese von Erika Pullwitt geprägte Bezeichnung steht noch in keinem medizinischen Handbuch; die Symptome dieses Syndroms sind ähnlich denen eines Burnout, einer reaktiven Depression oder eines Posttraumatischen Belastungssyndroms. Kapitel 4 beschreibt „Selbsthilfegruppen und andere Netzwerke“ , Kapitel 5 reflektiert die nicht unproblematische Relation „Aphasie und die Medien“. Abschließend wird für die Inanspruchnahme professioneller Hilfe geworben; entsprechende Literaturangaben und nützliche Adressen runden das Buch ab.

Eigentlich wünsche ich ja allen Sprechen-Leser(inne)n, dass sie das Buch nie benötigen. Leider spricht die Statistik eine andere Sprache: Nach einer Frankfurter Zuammenstellung liegt die jährliche Inzidenzrate in Deutschland bei ca. 24.5001; Erika Pullwitt spricht von ca. 70.000 Neuerkrankungen pro Jahr (S. 35). Zumindest für die Angehörigen und Bekannten aller Betroffenen, aber auch für alle therapeutisch mit Aphasien betrauten Kollegt(inn)en lohnen sich Anschaffung und Lektüre!'

Erschienen in "sprechen" Heft 55/2013, Rezensent: Roland W. Wagner



Vom: 20.02.2013

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